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Trinkwasser-, Betriebswasser- und VE-Wasserversorgung

Facility Management: Sanitärtechnik » Wasseranlagen

Wasseranlagen

Wasseranlagen

Die KG 412 – Wasseranlagen deckt sämtliche Leistungen für die zuverlässige Wasserversorgung (Trinkwasser, Betriebswasser, VE-Wasser) inklusive Aufbereitung, Verteilung und Warmwasserbereitung ab. Die Ausführung beginnt am Hauswasserübergabepunkt im Gebäude und endet üblicherweise an den fest definierten Übergabestellen zu Prozessanlagen bzw. anderen Gebäudeteilen (z. B. Verwaltung, Freianlagen). Wesentliche Merkmale sind getrennte Leitungssysteme für Trink-, Betriebs- und VE-Wasser, zentrale Enthärtungsanlage (z. B. auf 8 °dH) bei Bedarf und separate VE-Wassererzeugung für prozess- und haustechnische Anwendungen (Heizung, Kälte, Befeuchtung), dezentrale Warmwasserbereitung an einzelnen Zapfstellen, ergänzt durch eine zentrale Frischwasserstation für Dusch- und Umkleidebereiche, Hygiene- und Spülkonzept gemäß VDI 6023, DIN EN 806 und TrinkwV (thermische Desinfektion, regelmäßige Spülungen, Einbindung von Probeentnahmestellen), Dokumentation, Inbetriebnahme und Wartung nach den Vorgaben von DIN und DVGW sowie projekt- und herstellerspezifischen Anforderungen und klare Schnittstellen zu anderen Bau- und Fachgewerken (z. B. Freianlagen, Prozess- und Maschinentechnik, Sprinkler, RLT, Heizung/Kälte), damit Verantwortlichkeiten präzise geregelt sind.

Durch diese umfassende Betrachtung werden alle relevanten Punkte von der Planungs- über die Ausführungs- bis zur Nutzungsphase abgedeckt. Die Einhaltung der genannten Normen und Richtlinien stellt sicher, dass die Anlage in Bezug auf Trinkwasserhygiene, Betriebssicherheit und Nachhaltigkeit den anerkannten Regeln der Technik entspricht.

Anwendung der Grundlagen in der Praxis

Trinkwasserversorgung Kalt (TWK)

  • Für alle haushaltsüblichen und gebäudetechnischen Nutzungen (z. B. Waschbecken, WC, Außenwasserzapfstellen, Nachspeisung von Sprinkleranlagen etc.).

  • Mit vorgesehener Enthärtung (z. B. auf 8 °dH), sofern im Konzept gefordert.

Betriebswasserversorgung Kalt (TWK-B)

  • Für prozesstechnische Verwendungen in den Produktionsbereichen.

  • Ebenfalls mit Enthärtungsanforderung gemäß Projektvorgaben (z. B. 8 °dH), um Prozessanlagen vor Verkalkung zu schützen.

VE-Wasserversorgung Kalt (TKW-VE)

  • Zur Versorgung aller Bereiche mit vollentsalztem Wasser (z. B. Prozess- und Laborbereiche, RLT-Befeuchtung, Nachspeisungen von Heizung und Kälte).

  • Inklusive Wasseraufbereitungsanlagen (Ionenaustauscher, Umkehrosmose etc.) sowie eventueller Nachbehandlungen (z. B. weitere Enthärtung oder Remineralisierung, je nach Prozessanforderung).

Alle zugehörigen Leitungsnetze, Armaturen, Absperrungen, Entleerungen, Spüleinrichtungen sowie Wasseraufbereitungs- und Wasserbehandlungssysteme sind in KG 412 zu berücksichtigen, sofern sie nicht in einem anderen Bauteil/Gewerk separat beschrieben sind.

Verwaltungsbau

  • Das Gesamtsystem ab Hauptverteilerabgang in Produktion ist im Verwaltungsbau bereits integriert.

  • Leistungen für die Verwaltung werden in einem eigenen Anlagenteil geführt und dort detailliert beschrieben.

Parkhaus

  • Keine Wasserversorgung vorgesehen, daher keine Leistungen für diesen Bereich in KG 412.

Freianlagen

  • Ab dem Hauptverteilerabgang in Produktion werden die benötigten Außenleitungen in den Freianlagen ausgeschrieben.

  • KG 412 umfasst die Verteilung ab der definierten Übergabe im Gebäude.

Öffentliche Erschließung

  • Der Hauswasserübergabepunkt bis zur Gebäudegrenze (inkl. provisorischer und endgültiger Leitungen) liegt in der Verantwortung der öffentlichen Erschließung.

  • KG 412 beginnt nach der Hauswasserübergabe (in der Regel unmittelbar nach dem Hauptwasserzähler bzw. Übergabeschacht).

Normen, Vorschriften und Richtlinien

  • DIN EN 806 (Technische Regeln für Trinkwasser-Installationen)

  • DIN 1988 (Technische Regeln für Trinkwasser-Installationen)

  • DIN EN 1717 (Schutz des Trinkwassers vor Verunreinigungen in Trinkwasser-Installationen)

  • VDI 6023 (Hygienebewusste Planung, Ausführung, Betrieb und Instandhaltung von Trinkwasseranlagen)

  • Trinkwasserverordnung (TrinkwV)

  • DVGW-Regelwerk (insbesondere W 551, W 552)

  • Gebäudeenergiegesetz (GEG) bzgl. Dämmung von Warmwasserleitungen

  • DIN 4109 (Schallschutz im Hochbau)

  • MLAR / LAR (für Brandabschottungen, sofern relevant)

Küchentechnik / Teeküchen / Automatenstationen

  • Keine komplexen Großküchensysteme im Bauteil.

  • Teeküchen sind Bestandteil der „Sanitären Einrichtungen“.

  • Etwaige Kücheninstallationen oder Wasseranschlüsse für Automaten sind dort berücksichtigt.

Prozess-, Lager- und Maschinentechnik

  • Prozesstechnische Anlagen (Klasse 5) werden über eine separate Betriebswasserversorgung (TWK-B) gespeist.

  • Übergabepunkt in Produktionshallen: In ca. 2,5 m über OKFFB: Absperrarmatur mit Entleerung und Endstopfen durch den Anlagenerrichter.

  • Alle weiterführenden Installationen bis zum Maschinenanschluss gehören nicht zum Leistungsumfang von KG 412.

Heizung- und Kälteanlagen

  • Nachspeisungen für Heizung/Kälte erfolgen über die VE-Wasserversorgung (TKW-VE), um Korrosion und Kalkablagerungen zu vermeiden.

RLT-Anlagen

  • Befeuchtung und Nachspeisung bei Klimaanlagen/RLT-Anlagen werden ebenfalls mit VE-Wasser (TKW-VE) umgesetzt.

Sprinkleranlage

  • Sprinklernachspeisung aus unbehandeltem Kaltwasser (TKW) vor etwaigen Druckregelarmaturen.

  • Einbau eines Steinschutz-/Feinfilters ist zu prüfen, um die Sprinkleranlage vor Verunreinigungen zu schützen.

Leistungsbeginn und Hauptleitungsführung

  • Beginn unmittelbar ab der Hauswasserübergabe (nach öffentlicher Erschließung).

  • Erdverlegte Hauptleitung vom Außenbereich ins Gebäude (UG Verwaltung oder Technikzentrale), Verteilung in: Energiezentrale

  • Halle

  • TGA-Zentrale für VE-Wassererzeugung

  • Die einzelnen Teilbereiche (Verwaltung, Halle, TGA) werden getrennt abgezweigt und klar gekennzeichnet.

Anlagenteile Verwaltung

  • Separater Anlagenteil mit eigener Trinkwasser- und Warmwasserversorgung, sofern dort Duschen o. Ä. vorhanden sind.

  • Einbindung in die Gesamtanlage ab Hauptverteilerabgang „Produktion“.

Anlagenteile Halle / Produktionsbau

  • Zentrale Enthärtungsanlage (z. B. auf 8 °dH).

  • Trennung von Trinkwasser (TWK) und Betriebswasser (TWK-B), Einbau entsprechender Armaturen und Absperrungen.

  • Frischwasserstation für Warmwasser (TWW), inkl. Zirkulationsleitung (TWZ) für den Dusch- und Umkleidebereich.

  • VE-Wassererzeugung mit Ionenaustauscher, Umkehrosmose o. Ä. Nachbehandlung (z. B. Feinentgasung) je nach Prozess-/Betriebsanforderungen.

Dezentrale Warmwasserbereitung

  • Im Produktionsbau wird grundsätzlich dezentral an den Zapfstellen erwärmt (E-Durchlauferhitzer, kleine Speicher etc.), sofern nur kleiner Warmwasserbedarf besteht.

Zentrale Warmwasserbereitung (Frischwasserstation)

  • Für den Umkleide-/Duschbereich (2. OG) ist eine zentrale Warmwasserbereitung durch eine Frischwasserstation vorgesehen.

  • Systemtemperatur aus dem Wärmenetz: ca. 50 °C.

  • Elektroheizpatrone zur Anhebung auf über 70 °C (Legionellenschutz, thermische Desinfektion).

  • Zirkulationssystem mit Doppelpumpe (Redundanz n–1), frei programmierbare Zeitschaltuhr für bedarfsorientierten Betrieb.

Rohrleitungsmaterial

  • Wahl zwischen Edelstahl, Kupfer, Mehrschichtverbundrohren oder anderen zugelassenen Systemen (nach DVGW, DIN EN 806).

  • Korrosionsschutz beachten (abhängig von Wasserqualität, pH-Wert).

  • Verbindungsarten: Pressfittings, Schweißen, Löten, Stecksysteme etc.

Dämmung und Schallschutz

  • Wärmedämmung: gemäß GEG für Warmwasser- und Zirkulationsleitungen zur Reduzierung von Wärmeverlusten.

  • Kältedämmung: bei Kaltwasserleitungen (TKW, VE-Wasser), um Kondensatbildung zu vermeiden und Energieverluste zu minimieren.

  • Schallschutz: Einhaltung von DIN 4109 (oder erhöhten Anforderungen nach Projektvorgabe), insbesondere in Bürobereichen.

Brandabschottungen

  • Alle Rohrdurchführungen durch Brandabschnitte sind mit zulassungskonformen Systemen (z. B. Rohrmanschetten, Brandschutzstopfen) abzuschotten.

Hygieneanforderungen und Spülkonzept

  • Umsetzung nach VDI 6023 und DIN EN 806 zur Vermeidung von Stagnation und mikrobiellen Belastungen.

  • Nutzung von Trinkwasser für alle Entnahmestellen; Grau-/Regenwassernutzung ist nicht vorgesehen.

Spülung

  • Zentrale Spülpunkte je Strangabgang oder Nutzung der letzten Entnahmestelle (WC) zum regelmäßigen Wasseraustausch.

  • Zusätzliche, automatisierte Spüleinrichtungen oder Zeitprogramme möglich, falls längere Stillstandszeiten auftreten.

Probennahmestellen

  • An relevanten Stellen (z. B. am Ausgang Enthärtungsanlage, VE-Anlage, Frischwasserstation, Zirkulationsrücklauf) sind Probeentnahmehähne zu montieren.

Legionellenschutz

  • Bei Warmwasserbereitungsanlagen ab 400 l Speicherinhalt und/oder 3 l in der Rohrleitung bis zur Entnahmestelle gelten die Regelungen der TrinkwV (Regelmäßige Untersuchungen, 70 °C Aufheizung für Desinfektion).

  • Im vorliegenden Konzept wird durch die Frischwasserstation das Legionellenrisiko reduziert; dennoch ist die thermische Desinfektion (70 °C) vorgesehen.

Hydraulische Auslegung und Druckhaltung

  • Druckverhältnisse: Nachweis von Ruhedruck und Fließdruck an den Zapfstellen, ggf. Einbau von Druckminderern oder -erhöhungsanlagen.

  • Dimensionierung: Rohrnetzauslegung nach Spitzenlast (z. B. gleichzeitig Duschen und Produktionsentnahme), Berücksichtigung von Fließgeschwindigkeiten und verfügbaren Pumpenleistungen.

  • Zirkulationsleitung: Auslegung der Pumpe(n) entsprechend Längen, Druckverlust und Temperaturdifferenz.

Anbindung an GLT:

  • Überwachung von Druck, Temperaturen (z. B. Warmwasserrücklauf, VE-Wasser) und ggf. Wasserverbrauch (Zähler).

  • Alarmmeldungen bei Störungen (z. B. Pumpenausfall, Grenzwertüberschreitungen bei Leitfähigkeit in VE-Anlagen).

Zählerkonzepte:

  • Hauptwasserzähler an der Hauswasserübergabe, ggf. Zwischenzähler je Nutzungsbereich (Verwaltung, Produktion) oder große Verbraucher (VE-Anlage, Außenwasser).

Druckprüfung und Dichtheitsprüfung

  • Prüfabläufe entsprechend DIN 1988-2, DIN EN 806 oder Herstellerangaben.

  • Prüfmedien (z. B. Wasser, unter Umständen Luft oder Inertgas) und Prüfdruck sind klar festzulegen.

Spülung und Desinfektion

  • Endspülung des Rohrnetzes nach Fertigstellung (z. B. mit Trinkwasser, ggf. Desinfektion bei längerer Bauzeit oder Kontamination).

  • Dokumentation über Art, Dauer und Konzentration der Desinfektionsmittel.

Funktionsprüfung

  • Überprüfung aller Ventile, Pumpen, Armaturen, MSR-Komponenten auf korrekte Funktion.

  • Einregulierung (z. B. Zirkulationsstränge, Druckhaltung).

Hygiene-Erstabnahme

  • Ggf. mikrobiologische Erstbeprobung (z. B. Legionellen), speziell an Warmwasserbereitungsanlagen, vor Übergabe an den Nutzer.

Dokumentations- und Revisionsunterlagen

  • Bestandspläne: genaue Darstellung aller Rohrverläufe, Armaturen, Absperrungen, Probeentnahmestellen etc.

  • Betriebs- und Wartungsanleitungen: für Pumpen, Enthärtungsanlage, VE-Anlage, Frischwasserstation etc.

  • Messprotokolle: Druckprüfungen, Desinfektionen und ggf. Wasseranalysen.

Wartungsintervalle und Ersatzteilhaltung

  • Enthärtungs-, VE-Anlagen (Harzwechsel, Regeneriermittel, Filterkartuschen).

  • Pumpen, Ventile, Sicherheits- und Entleerungseinrichtungen.

  • Ersatzteillagerung von Dichtungen, Filtereinsätzen o. Ä.

Betreiberverantwortung

  • Betreiber hat sicherzustellen, dass regelmäßige Wartungen und Hygieneprüfungen (insbesondere im Warmwasserbereich) erfolgen.

  • Nachweise über die Einhaltung der TrinkwV (Legionellenuntersuchung, Temperaturkontrollen etc.) sind zu führen.